INTERVIEW

( ...in german language. Call us, if you need a translation ...)


Seit Eurer letzten CD »Ashen Days«,
der Vertonung später Gedichte Mascha Kalékos, sind zwei Jahre vergangen ...


Jo Schultz: Wir haben nach "Another Short-time Home" -
unserer zweiten CD - vor allem viel gespielt. Nach ca. 120 Konzerten in großem und kleinem Rahmen, vor 10 bis 500 Zuschauern, in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Israel und Ägypten war 2015 eine kleine Live-Pause nötig. Nicht so sehr, weil uns die Konzerte keinen Spaß mehr gemacht haben, sondern eher wegen des organisatorischen Drumherums. Wir haben mit Acoustic Music Records eine prima Plattenfirma, die sich um Vieles kümmert. Booking gehört aber leider nicht dazu. Das müssen wir wohl oder übel selber machen ...

Viviane Kudo: Auf jeden Fall war die Pause auch aus künstlerischer Sicht gut. Wir haben in aller Ruhe eine Menge neues Material erarbeiten können. Wenn man viel spielt, hat man für derlei wenig Zeit ...



Bei den neuen Stücken ist die melancholische Grundstimmung
zwar geblieben, aber alles scheint etwas positiver geraten ...


Jo Schultz: Keine Sorge: Es ist immer noch Viviane Kudo. Mit der gewohnten "allgegenwärtigen Melancholie" wie mal im Berliner Tagespiegel stand. Andererseits stimmt das aber auch. Vor allem textlich ...



Und wie kommt das?

Viviane Kudo : Keine Ahnung. Bei einem Konzert in Bremen hat Jo in einem Raum unmittelbar neben der Garderobe zwischen altem Technikschrott eine alte verwahrloste Framus-Gitarre (eine "Teenager" aus dem Jahre 1954) entdeckt. Wie sich herausstellte gehörte sie einem in Bremen mehr oder weniger bekannten Bluesmusiker, der offenbar wirklich den Blues hatte: In Ermangelung eines Erben, hat er die Gitarre dem Chef des Clubs geschenkt, in dem er sein letztes Konzert gegeben hat. Jo hat sich gleich in die diese Gitarre verliebt und den ganzen Abend immer wieder darauf herumgedaddelt. Nach dem Konzert hat der besagte Club-Chef sie ihm dann einfach in Hand gedrückt und ihm das Versprechen abgerungen, die Gitarre auch wirklich zu benutzen. Vielleicht hat diese todtraurige und fast schon kitschige Geschichte irgendwie den Ausschlag gegeben, mal ein paar eher positive Songs zu schreiben. Selbstredend haben wir - Versprechen eingelöst! - die Gitarre auf der neuen CD bei einigen Liedern verwendet.

Jo Schultz : Vielleicht ist das aber auch alles nur Zufall, denn nach wie vor versuchen vor allem, echte, glaubwürdige Lieder zu schreiben. Das Publikum hat in der Regel ein feines Gespür dafür, ob die da auf der Bühne auch wirklich wissen, worüber sie da gerade singen oder ob sie nur »Abziehbilder« produzieren ...



Was ist für Euch denn ein guter Song?

Viviane Kudo : Oh, Mann! Da haben 10 Songwriter sicher 10 Meinungen ... Ich denke eine guter Song muss vor allem authentisch sein! Wenn ich ein echtes - also wirklich vorhandenes Anliegen oder Problem oder Gefühl habe und es schaffe, dafür treffende, anrührende Worte zu finden, dann stehen meine Chancen schon mal nicht schlecht. Allerdings muss es dann noch gelingen, einen angemessen musikalischen Ausdruck zu finden ...

Jo Schultz : Aber was ist angemessen? Dafür gibt es keine objektiven Kriterien! Ein Folkmusiker wird diese Frage sicher anders angehen als ein Jazz- oder Rockmusiker ...

Viviane Kudo : Für einen guten Song gibt es Backrezept. Aber ohne den unbedingten Willen »authentisch« zu sein, hat man schon mal schlechtere Karten ...